Die Wahrheit
ging durch die Straßen, ganz nackt, wie am Tage ihrer Geburt.
Kein Mensch wollte sie in sein Haus einlassen. Alle fürchteten sich vor ihr.
Eines Tages ging die Wahrheit wieder in Gedanken versunken durch die Straßen.
Sie war sehr betrübt und verbittert. Da begegnete sie dem Märchen. Das Märchen war geschmückt mit herrlichen,
prächtigen, vielfarbigen Kleidern die jedes Auge und jedes Herz entzückten. „Sage mir, geehrte Freundin, warum bist du so bedrückt
und drehst dich auf den Straßen so betrübt umher?“
„Es geht mir sehr schlecht.
Ich bin alt und betagt und kein Mensch will mich kennen.“
„Nicht weil du alt bist
lieben dich die Menschen nicht. Auch ich bin sehr alt. Und je älter ich werde, umso mehr lieben mich die Menschen. Siehe, ich will
dir ein Geheimnis enthüllen: sie lieben es, daß jeder geschmückt ist und sich ein wenig
verkleidet. Ich werde dir solche Kleider borgen mit denen ich angezogen bin und
du wirst sehen, daß die Menschen auch dich lieben werden.“ Die Wahrheit befolgte
diesen Rat. Sie schmückte sich mit Kleidern des Märchens. Seit damals gehen die
Wahrheit und das Märchen zusammen und beide sind bei den Menschen beliebt.
Jüdische Überlieferung
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